Spoer, Kerstin

Lachen in der Tiefe

Es gibt Menschen, die dem Lachen eine zusätzliche Dimension verleihen. Bei ihnen bleibt es nicht an der Oberfläche, sondern öffnet Räume für Fragen, Berührung und Sinn. Kerstin Spoer gehört zu diesen Menschen. Sie verbindet Lachen mit Poesie, Spiritualität und der Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit – leichtfüßig, emotional und mit einem feinen Gespür für das, was zwischen Leben und Tod liegt.

Die Lachverständige - Kerstin Spoer

Kerstin Spoer ist Autorin, Lachverständige und Lachtelefonistin. Als geborene Rheinländerin lacht sie aus tiefstem Herzen, und zugleich ist sie seit vielen Jahren Teil der internationalen Lach-Community. Seit 2004 begleitet sie Lachyoga auf unterschiedlichsten Ebenen und ist seit 2007 selbst als Lachtrainerin aktiv. Auf den deutschen Lachyoga-Kongressen ist sie seit vielen Jahren eine feste Größe – nicht zuletzt durch ihre selbstgeschriebenen Gedichte, die sie traditionell in deutscher und englischer Sprache vorträgt. Ihr berühmtes „And now the english version“ ist längst ein liebevoller running gag.

Poesie, Pandemie und neue Räume

Während des ersten Lockdowns 2020 fand Kerstin Spoer neue Wege, Lachen und Verbindung in herausfordernden Zeiten zu ermöglichen. Sie entwickelte Live-Streams für Grundschulkinder und erschuf dafür die Figur SuperstarK! Kurz darauf entstand ein weiteres Herzensprojekt: das virtuelle Get-together „Zum Tod lachen“. Diese digitale Veranstaltungsreihe öffnet einen Raum für sehr unterschiedliche Perspektiven auf Tod, Sterben und Lachen. Seit 2025 findet das Event als Präsenzseminar statt. Kerstin Spoer schafft hier einen geschützten Rahmen, in dem existenzielle Themen Platz haben und zugleich Leichtigkeit entstehen darf.

3 Fragen an Kerstin

Wann oder wo erlebst du in deinem Alltag im Moment am meisten Leichtigkeit?

Leichtigkeit erlebe ich aktuell vor allem, wenn ich mich meiner alten neuen Liebe widme: Beim Spanisch hören oder sprechen. Die Töne tun mir gut, ich mag die Energie und meine Mundwinkel gehen ganz automatisch nach oben. Außerdem bin ich im Tanzkurs mit meinem Liebsten seit mehr als einem Jahr häufig auf Wolke 7, wenn ich anderthalb Stunden in leuchtende Augen und ein fröhliches Gesicht schaue. Und wenn es spontan in meinem Arbeitsleben etwas zu lachen gibt, dann fühl ich mich im Hier und Jetzt und erlebe genau diese Leichtigkeit.

Was hat sich durch das Lachen (oder durch deine Arbeit damit) in deinem Blick auf Menschen oder auf dich selbst verändert?

Oh, da hat sich im Laufe der Zeit sehr viel verändert. Als Mensch bin ich viel selbstbewusster, spontaner und offener geworden. Lachen gibt mir die Energie, über mich hinaus zu wachsen und mutige Schritte zu tun. Mein Freundeskreis hat sich verändert und ich achte darauf, die Kontakte zu pflegen, mit denen ich meine Batterien aufladen kann. Ich habe im Laufe der Zeit die Bandbreite der Emotionen lieben gelernt - ein lachendes Gesicht ist immer noch mein Favorit und auf jeden Fall ein schönes Gesicht. Doch wenn sich mir Menschen öffnen und ich den authentischen, echten Kern wahrnehme, dann berührt mich das sehr. Für mich ist es ein Geschenk, lachen zu können und auf den Wellen der Emotionen surfen zu dürfen. Lachen ist untrennbar mit meinem Leben verwoben.

Was wünschst du dir für die Welt?

Ich wünsche mir, dass wir den Blick heben, die Ellenbogen einklappen und uns die Hand reichen. Zuerst in unserer eigenen kleinen Welt, in der Eigenbetrachtung, da, wo es gilt mit dem eigenen Werdegang und Lebensweg Frieden zu schließen. Dann auch im miteinander. Auf meinen Pilgerreisen habe ich immer wieder erfahren, dass Menschen grundsätzlich kooperativ sind, sich helfen und unterstützen und gerne teilen, unabhängig von Nationalität, Glauben und Parteibuch. Dass wir unsere Stärken stärken und den anderen so lassen, wie er ist, das wünsche ich mir. Und Tage mit Goldrand.

Workshop „Basteln mit dem Tod“

Beim Lachyoga-Kongress lädt Kerstin Spoer zu einem außergewöhnlichen Workshop ein: „Lachen, malen, kleben: Basteln mit dem Tod“. In diesem Workshop begegnen die Teilnehmenden Tod, Trauer und Verlust auf kreative Weise – mit Stein, Stift, Humor und gemeinsamen Geschichten. Es entstehen kleine Objekte, die Erinnerungen tragen, Gespräche ermöglichen und Verbindung schaffen. Lachen und Weinen dürfen nebeneinander stehen, Freuden- und Trauertränen sich mischen. Der Workshop öffnet einen achtsamen Raum, in dem Verletzlichkeit zeigen möglich ist. Dabei schenkt das sich befassen mit der eigenen Endlichkeit neue Perspektiven.

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