Lachen und das Immunsystem

Lachen und das Immunsystem


Inhalte und Erläuterungen

Übt humorvolles Lachen eine modulierende Wirkung auf das Immunsystem aus und  beeinflusst es insbesondere die Aktivität und Konzentration von Immunzellen? Was gibt es da eigentlich für Studien?

(! Es kann natürlich sein, dass es Studien gibt, die ich nicht gefunden habe. Ich freue mich über jeden Hinweis! Außerdem kann es sein, dass ich im Dschungel der Studien Fehler mache und etwas übersehe. Bitte im Zweifel selbst kritisch nachprüfen, ich habe versucht, überall die Quellen anzugegeben!)

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Berk et al. (2001): In einer Serie von fünf Studien mit 52 gesunden Männern wurde nach einer einstündigen humorvollen Intervention eine signifikante Zunahme der Aktivität natürlicher Killerzellen (NK-Zellen) sowie eine Erhöhung der Anzahl aktivierter T-Zellen (P < 0,01) und zytotoxischer T-Zellen (P < 0,01) festgestellt. Diese Effekte hielten teilweise bis zu 12 Stunden nach der Intervention an.

Berk, L., Felten, D. L., Tan, S. A., Bittman, B., & Westengard, J. (2001). Modulation of neuroimmune parameters during the eustress of humor-associated mirthful laughter. Alternative Therapies in Health and Medicine, 7(2), 62–76. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/11253418/

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Takahashi et al. (2001): Diese Studie nutzte ein Crossover-Design mit 21 gesunden männlichen Probanden, um die Auswirkungen von humorvollen Filmen im Vergleich zu neutralen Kontrollfilmen zu messen. Die Ergebnisse zeigten eine signifikante Erhöhung der NK-Zell-Aktivität (NKCA) um 26,5 % bis 29,4 % nach dem Konsum humorvoller Filme, während bei den Kontrollfilmen keine signifikanten Änderungen auftraten. Die Autoren wiesen darauf hin, dass die NKCA-Erhöhung stärker mit den erlebnisorientierten Aspekten des Lachens korrelierte als mit dessen bloßer expressiver Stärke.

Takahashi, K., Iwase, M., Yamashita, K., Tatsumoto, Y., Ue, H., Kuratsune, H., Shimizu, A., & Takeda, M. (2001). The elevation of natural killer cell activity induced by laughter in a crossover designed study. International Journal of Molecular Medicine, 8(6), 645–650. https://doi.org/10.3892/IJMM.8.6.645


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Christie & Moore (2005): Zusammenfassende Berichte und Literaturanalysen, in denen steht, dass Lachen neuroendokrine Stresshormone abschwächt und das Immunsystem durch die Steigerung der Anzahl aktivierter T-Zellen sowie der NK-Zell-Aktivität positiv beeinflusst. Christie & Moore (2005) ist ein Übersichts-/Sekundärartikel, keine Primärstudie. Sie fassen die dünne Primärliteratur zusammen und erhöhen die Evidenz nicht. Das gilt auch für Ziegler (1995), ein kurzer Kommentar, der sich auf die frühe Forschung von Berk aus den späten 1980ern/frühen 1990ern bezieht.

Jan Ziegler, Immune System May Benefit From the Ability to Laugh, JNCI: Journal of the National Cancer Institute, Volume 87, Issue 5, 1 March 1995, Pages 342–343, https://doi.org/10.1093/jnci/87.5.342

Christie, W., & Moore, C. (2005). The impact of humor on patients with cancer. Clinical Journal of Oncology Nursing, 9(2), 211–218. https://doi.org/10.1188/05.CJON.211-218

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Bennett et al. (2003): Randomisierte Studie mit 33 gesunden Frauen (Pre-Post-Design mit Vergleichsgruppe). Die Experimentalgruppe sah ein humorvolles Video, die Kontrollgruppe ein neutrales Tourismus-Video. Bei den Probanden der Humor-Gruppe verringerte sich der Stress im Vergleich zu jenen der Ablenkungsgruppe (U32 = 215,5; P = 0,004). Das Ausmaß des heiteren Lachens korrelierte bei den Personen der Humor-Gruppe mit den Stresswerten nach der Intervention (r16 = -0,655; P = 0,004). Probanden, die auf der Skala für die Humorreaktion einen Wert von über 25 erzielten, zeigten nach der Intervention eine gesteigerte Immunfunktion (t16 = 2,52; P = 0,037) im Vergleich zu den übrigen Teilnehmern (t32 = 32,1; P = 0,04). Die Werte auf der Skala für die Humorreaktion korrelierten mit Veränderungen der NK-Zell-Aktivität (r16 = 0,744; P = 0,001). (! Auf diese Studie habe ich bislang keinen direkten Zugriff, dieser Absatz ist aus dem Abstract übernommen / direkt übersetzt / und sollte idealerweise noch geprüft und überarbeitet werden!)

Bennett, M. P., Zeller, J. M., Rosenberg, L., & McCann, J. (2003). The effect of mirthful laughter on stress and natural killer cell activity. Alternative Therapies in Health and Medicine, 9(2), 38–45. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12652882/

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Die Forschung beschreibt Lachen als Form von „Eustress" (positivem Stress), der neuroimmunologische Parameter kurzfristig moduliert. Neben Berk et al. (2001) und Takahashi et al. (2001) gehört Bennett et al. (2003) zu den wenigen kontrollierten Untersuchungen. Auffällig ist ein roter Faden durch alle drei: Nicht die bloße Handlung des Lachens, sondern das emotionale Erleben scheint für die Immunreaktion entscheidend zu sein. Takahashi fand, dass die Steigerung der NK-Zell-Aktivität eher mit dem als angenehm empfundenen Lachen zusammenhing als mit dessen expressiver Stärke, und dass depressive oder ärgerlich-feindselige Gemütszustände den Effekt unterdrückten. Bennett beobachtete die erhöhte Immunfunktion nur bei jenen Frauen, die tatsächlich herzhaft lachten. Insgesamt wird Lachen in der Literatur als komplementäre Methode zur Förderung des Wohlbefindens (und, mit Vorbehalt, einzelner immunologischer Parameter) eingeordnet.

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Was sagt uns das in Bezug auf Lachyoga?

Keine der Studien hat Lachyoga untersucht. Berk et al. (2001): Probanden schauten eine Stunde lang ein Humor-Video. Takahashi et al. (2001): Vergleich von Comedy-Filmen mit neutralen Kontrollfilmen. Bennett et al. (2003): humorvolles Video vs. Tourismus-Video. Alle diese Studien messen spontanes, humor-induziertes Lachen („mirthful laughter"). Lachyoga nach Kataria funktioniert ohne Humor, es ist simuliertes, willkürliches Lachen kombiniert mit Atemübungen. Ob simuliertes Lachen dieselben neuroimmunologischen Effekte auslöst wie echtes, durch Komik ausgelöstes Lachen, ist eine offene Forschungsfrage und wird durch diese Studien nicht beantwortet.

Aussagen zum Lachen:

Die Befunde existieren, aber die Belege sind schwach: Berk (52 Personen, ausschließlich Männer). Takahashi (21 Männer). Bennett (33 Frauen). Das sind kleine, teils Jahrzehnte alte Studien mit homogenen Stichproben. Takahashi selbst räumt ein, dass die NK-Zell-Erhöhung in früheren Arbeiten wegen unvollständiger Methodik nicht als gesichert galt. „Nachgewiesen" ist damit zu stark; korrekt wäre „es gibt Hinweise aus kleinen Studien".

Dass der Effekt anhält ist schwach belegt. Das stammt aus einer einzelnen Within-Subject-Messung ohne echte Kontrollgruppe. Ein bekannter methodischer Confounder: Anstiege zirkulierender Immunzellen nach akutem Stress lassen sich teilweise durch Hämokonzentration (Flüssigkeitsverschiebung) erklären, nicht durch echte Immunaktivierung.

Fazit

Ein direkter Nachweis, dass Lachyoga Immunparameter wie NK-Zell-Aktivität oder Antikörperspiegel verbessert, liegt bislang nicht vor. Die häufig zitierten Immunbefunde stammen aus Studien zu humor-induziertem Lachen, nicht zum simulierten Lachen des Lachyoga. Besser belegt ist hingegen, dass Lachyoga in randomisierten Studien den Cortisolspiegel senken kann. Da anhaltend erhöhtes Cortisol die Immunabwehr dämpft, wird ein indirekter, stressvermittelter Nutzen für das Immunsystem diskutiert; ein solcher Effekt ist für Lachyoga aber noch nicht direkt gemessen worden.

Hinweise für Lachyogis / Der Umweg übers Cortisol

Die Forschung unterscheidet spontanes Lachen (ausgelöst durch Humor, einen Witz, einen Comedy-Film) und simuliertem Lachen (wie beim Lachyoga).

Das ist entscheidend, weil die berühmten „Lachen-stärkt-das-Immunsystem"-Studien mit spontanem Lachen gearbeitet haben: Die Teilnehmer schauten Comedy-Filme. Sie haben nicht Lachyoga untersucht.

Die gute Nachricht: Für Lachyoga selbst gibt es trotzdem belastbare Befunde. Nur zeigen sie etwas anderes, als oft behauptet wird.

Lachyoga senkt nachweislich das Stresshormon Cortisol. Das ist ein gut belegter körperlicher Effekt von Lachyoga. In einer randomisierten Studie mit 120 Studierenden sank nach einer Lachyoga-Sitzung der Cortisolspiegel im Speichel deutlich (Fujisawa et al., 2018).

Fujisawa, A., Ota, A., Matsunaga, M., Li, Y., Kakizaki, M., Naito, H., & Yatsuya, H. (2018). Effect of laughter yoga on salivary cortisol and dehydroepiandrosterone among healthy university students: A randomized controlled trial. Complementary Therapies in Clinical Practice, 32, 6–11. doi:10.1016/j.ctcp.2018.04.005

Die plausible Brücke zum Immunsystem als Zusammenhang. So formulierst du es korrekt: „Dauerhaft erhöhtes Cortisol schwächt bekanntlich die Immunabwehr. Indem Lachyoga Stress und Cortisol senkt, schafft es günstigere Bedingungen für ein gut funktionierendes Immunsystem." Das ist ein anerkannter, plausibler, indirekter Mechanismus. Ein direkter Nachweis, dass Lachyoga Immunzellen verändert, steht noch aus.

Wenn du über die Studien sprechen möchtest:

Echtes, herzhaftes Lachen hat in kleinen Studien kurzfristige Immun-Effekte gezeigt. „In kleinen Studien mit humorvollem Lachen stieg vorübergehend die Aktivität sogenannter natürlicher Killerzellen. Ob das simulierte Lachen im Lachyoga denselben Effekt hat, ist noch nicht untersucht."

Formulierungshilfen

statt: „Lachyoga stärkt dein Immunsystem."
besser: „Lachyoga senkt nachweislich Stresshormone. Und weniger Dauerstress ist gut für die Immunabwehr."

statt: „Studien zeigen, dass Lachen die Killerzellen erhöht."
besser: „Es gibt Hinweise aus kleinen Studien, dass Lachen die Immunzellen kurzfristig anregt, erforscht vor allem an humorvollem Lachen."

statt: „Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Lachyoga gesund macht."
besser: „Für Stressabbau und Wohlbefinden ist Lachyoga inzwischen gut untersucht; beim Immunsystem ist die Forschung noch am Anfang."

Eine Beispielformulierung

„Lachyoga ersetzt keine medizinische Behandlung. Aber es senkt nachweislich Stress, hebt die Stimmung und bringt Menschen zusammen. Und weniger Dauerstress ist eine der besten Voraussetzungen für einen gesunden Körper samt Immunsystem. Das Schöne daran: Es kostet nichts, hat keine Nebenwirkungen und macht jede Menge Freude."

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